November 2006
Ein kleines Loch zwischen den Vorhöfen des Herzens sei nach einer Schweizer Studie an Migräneattacken schuld.
Jeder fünfte Erwachsene ist von so einer kleinen Öffnung im Herzen betroffen, durch die sich das Blut vermischt. Das kleine Loch ist ein Überbleibsel aus der Entwicklung im Mutterleib. Vor der Geburt ermöglicht die Öffnung in der Scheidewand der beiden Vorhöfe den Blutaustausch. Erblicken wir das Licht der Welt und atmen selbstständig, muss sauerstoffarmes Blut aus dem Körper vom sauerstoffreichen Blut aus der Lunge getrennt werden. Das Loch, anatomisch als Foramen ovale bezeichnet, wächst innerhalb kürzester Zeit zu.
Bleibt eine kleine Öffnung zurück, verursacht sie bei den meisten Menschen keine Probleme. Bei einigen erhöht sich jedoch das Risiko eines Schlaganfalles. Ursächlich ist hier das Loch in der Scheidewand und nicht etwa eine Gefäßerkrankung.
Um Schlaganfall-Betroffene vor einem erneuten Hirninfarkt zu bewahren, wird mit Hilfe eines neuartigen schirmähnlichen Implantates das Foramen verschlossen. Der ambulante Eingriff mittels eines Herzkatheders dauert nur eine Dreiviertelstunde. Bereits 24 Stunden nach der Implantation kann der Patient wieder nach Hause gehen.
Mediziner des Berner Universitätsklinikums untersuchten 215 Patienten, bei denen nach einem Schlaganfall das Loch zwischen den Vorhöfen verschlossen wurde. Rund ein Viertel der Betroffenen gab an, in dem Jahr vor dem Hirninfarkt unter Migräneattacken gelitten zu haben. Das sind doppelt so viele wie in der restlichen Bevölkerung. Nach der Operation nahmen bei 80% der Betroffenen die Attacken deutlich ab.
Vieles deutet daraufhin, dass ein Zusammenhang zwischen Verschluss des Foramen ovale und dem Auftreten von Kopfschmerzen besteht. Jedoch ist bis heute unklar, warum ein offenes Loch in den Vorhöfen Migräne auslösen kann. Experten warnen vor voreiligen Schlussfolgerungen.
Eine mögliche Ursache könnte in der Vermischung des venösen und arteriellen Blutstroms liegen. Botenstoffe oder auch winzige Blutgerinnsel, die normalerweise aus dem Blut bei ihrem Weg über die Lunge abgefangen werden, könnten durch die unvollständige Trennung der Blutkreisläufe ins Gehirn gelangen und dort Kopfschmerzen auslösen.
Verantwortlich könnten aber auch blutgerinnungshemmende Medikamente sein, die Patienten üblicherweise nach einer Implantation wochen- oder monatelang verabreicht werden. Sie verhindern die Bildung von Mini- Blutgerinnseln und verhindern so den Kopfschmerz.
Gerinnungshemmende Bestandteile sind zum Beispiel auch in der von der deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft empfohlenen Dreierkombination enthalten. Bei vielen Migränepatienten beugt allein die Einnahme eines Kopfschmerzmittels den Attacken vor.
Jede Operation birgt Risiken in sich. Weitere klinische Studien werden Klarheit über den Nutzen eines Eingriffs am Herzen als Behandlungsmethode für Migränepatienten bringen.
http://www.kopfschmerzen.de – (letzte Aktualisierung: 23.07.2008)