Amerikanische Wissenschaftler fanden die Ursache für Lichtempfindlichkeit bei Migränepatienten
Migräne-Attacken kommen oft unerwartet. Ob im Büro oder während einer Reise plötzlich ereilt die Betroffenen der rasende Kopfschmerz. Eine Sache, so wissen die Betroffenen, kann die Schmerzen wesentlich verschlimmern: Lichtreize.
Migränikern hilft bei einer Attacke oft nur bei geschlossenen Vorhängen und nach der Einnahme eines schnell wirksamen Medikamentes auf das Ende des Schmerzes zu warten. Leider ist der Rückzug in einen abgedunkelten Raum nicht immer möglich oder die dunkle Sonnenbrille nicht zur Hand und so sind die Betroffenen manchmal dem Licht ausgesetzt und die Schmerzen spitzen sich zu.
US-Forscher von der Havard Medical School in Boston fanden die Ursache für die Lichtscheu vieler Migränepatienten heraus. Auf der Grundlage der Ergebnisse könnte es nun möglich sein, den Signalfluss Auge-Hirn zu unterbinden und damit die Lichtempfindlichkeit der Patienten zu dämpfen.
Die amerikanischen Wissenschaftler untersuchten zunächst blinde Migränepatienten. Dabei stellten sie Unterschiede fest: Konnte der Sehnerv der blinden Migräniker keine Verbindung mehr zum Gehirn herstellen, was sich z.B. durch einen gestörten Schlaf-Wachrhythmus äußerte, wirkte das Licht nicht verschlimmernd auf die Schmerzen. Blinde Patienten hingegen, die noch über einen Rest Lichtsensitivität verfügten, reagierten ebenso empfindlich auf Licht wie sehende Patienten.
Die Wissenschaftler erforschten die Nervenverbindungen zwischen Auge und Gehirn an Ratten genauer. Dabei fanden sie heraus, dass spezielle Lichtrezeptoren in der Netzhaut ihre Impulse über den Sehnerv unmittelbar in das Hirnareal senden, wo die Nervenzellen, die bei Migräneattacken Schmerzsignale empfangen und weiterleiten, lokalisiert sind. Die Signale der Lichtzellen verstärken die Signale der Nervenzellen – dadurch werden die Kopfschmerzen intensiver. Diese „Lichtaktivierung“ der Nervenzellen hält auch noch an, wenn die Lichtquelle abgeschaltet wird. Das passt zu den Erfahrungen, die Migräniker machen: Die Schmerzen werden unter Lichteinfluss blitzartig schlimmer und klingen erst nach 20 bis 30 Minuten in Dunkelheit wieder ab.
Künftige Forschungen können an diese Erkenntnisse anknüpfen und könnten Wege finden die schmerzproduzierende Verbindung zu blockieren. Vielleicht ist es in Zukunft für Migränepatienten leichter Helligkeit zu ertragen. Bis dahin verlassen Sie sich auf bewährte Methoden der Schmerzbekämpfung und ihr schnell wirksames Kopfschmerzmedikament.
Quelle:
Rami Burstein et al.: „A neural mechanism for exacerbation of headache by light“, Nature Neuroscience 13, 239-245, 2010.
http://www.kopfschmerzen.de – (letzte Aktualisierung: 30.03.2010)