Ein Zusammenhang zwischen dem Genuss von Schokolade und dem Auftreten von Kopfschmerzen konnte bisher wissenschaftlich nicht bewiesen werden.
Manche Gerüchte halten sich hartnäckig. Verschiedenste Nahrungs- und Genußmittel werden verdächtigt, Auslöser für Kopfschmerz- oder Migräneattacken zu sein. Dazu zählen in erster Linie Rotwein und andere alkoholische Getränke, Süßigkeiten, vor allem Schokolade, Käse und andere Milchprodukte.
Harte Fakten, in welchem Ausmaß bzw. ob überhaupt Nahrungsbestandteile Kopfschmerzen auslösen können, gibt es jedoch nicht.
Forscher untersuchten daher in verschiedenen Studien eingehender den Zusammenhang zwischen Kopfschmerzen und bestimmten in Verdacht geratenen sogenannten Auslösern wie Schokolade und Rotwein.
So erforschten Wissenschaftler der Pittsburger Universität bereits 1997 das Auftreten von Kopfschmerzen bei Patienten, die sicher waren, dass ihre Attacken durch Schokolade ausgelöst würden und einer zweiten Gruppe von Kopfschmerzgeplagten, die diese Verbindung nicht vermutete.
Beide Gruppen aßen unter verblindeten (also für die Betroffenen nicht ersichtlichen) Bedingungen einmal Schokolade und einmal den Ersatzstoff Carob, der aus den Früchten des Johannisbrotbaumes gewonnen wird und häufig als Kakaoersatz verwendet wird. Carob kann geschmacklich nicht von der Schokolade unterschieden werden. Die 63 Frauen, die an der Studie teilnahmen, notierten in einem Kopfschmerztagebuch ihre Kopfschmerzattacken. Beide Gruppen zeigten eine ähnliche Häufigkeit für das Auftreten von Kopfschmerzen.
Möglicherweise ist die Vorbotenphase einer Migräne, die sogenannte Prodomalphase, für die Wahrnehmung der Patienten, Schokolade löse direkt Kopfschmerzen aus verantwortlich. In dieser Phase kommt es häufig zu Gereiztheit, Nervosität, Müdigkeit, Stimmungsschwankungen und auch Heißhungerattacken. Womöglich haben diese Essattacken der Schokolade ihren schlechten Ruf eingebracht, da die eine oder andere Schokoladenportion vor einer Migräne dem gesteigerten Appetit zum Opfer fiel. Die Forscher nehmen jedoch an, dass sich der Körper durch die Aufnahme von zusätzlichen Kalorien im Vorfeld einer Migräne für die schweren, energiezehrenden Symptome, wie Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, rüstet.
Insgesamt werden Nahrungsmittel als direkte Auslöser für Kopfschmerzen überschätzt. Eine Ausnahme scheint nach bisherigen Untersuchungen der Rotwein zu sein. In einer Studie aus dem Jahr 1988 konnte nachgewiesen werden, dass der Genuss von Rotwein sehr wohl Migräneattacken auslöste, während Wodka-Lemon keine Belastung bei den Patienten mit Kopfschmerzen verursachte. Die Autoren schlussfolgerten daher, dass nicht der Alkohol sondern Inhaltsstoffe des Rotweins auslösend wirken.
Dennoch, da die Auslöser von Kopfschmerzen noch nicht widerspruchsfrei erforscht werden konnten, bleibt es dabei: Vertrauen Sie auf ihre individuellen Erfahrungen. Jedoch, was nicht schadet, ist erlaubt.
Quelle:
Marcus DA, Scharff L, Turk D, Gourley LM. A double-blind provocative study of chocolate as a trigger of headache. Cephalagia 1997; 17: 855-862.
Littlewood J, Glover V, Davis PT, Gibb, C, Sandler M, Rose, C. Red wine as a cause of Migraine. The lancet 1988; 331: 558-559.
http://www.kopfschmerzen.de – (letzte Aktualisierung: 21.05.2010)