Juli 2010
Eine Britin leidet nach einem schweren Migräneanfall unter dem Fremdsprachen-Akzent-Syndrom.
Kein Organ im menschlichen Körper ist so komplex wie das menschliche Gehirn. Dies erklärt wahrscheinlich auch, warum bisher noch nicht alle Funktionsweisen des Gehirns hinreichend erklärt werden können. Ein spektakulärer Fall im südenglischen Plymouth erregte jetzt die Aufmerksamkeit der Medien.
Die 35-Jährige Sarah Colwill erlitt im März dieses Jahres einen schweren Migräneanfall. Laut Presseberichten musste die seit 10 Jahren unter schweren Migräneanfällen leidende Frau in ein Krankenhaus gebracht werden. Bereits auf dem Weg ins Hospital stellten die Sanitäter einen sonderbaren Wandel ihrer Stimmhöhe und Sprachmelodie fest. Als sie später im Krankenhaus mit ihrer Schwiegertochter telefonieren wollte, erkannte diese ihre Stimme nicht. Die Engländerin sprach nach dem Migräneanfall unfreiwillig mit einem scheinbar chinesischen Akzent. Dabei erlernte die Britin niemals Chinesisch.
Die befremdliche Sprachveränderung hat vermutlich neurologische Ursachen. Mediziner sprechen vom Fremdsprachen-Akzent-Syndrom. Die Erkrankung äußert sich in einer Änderung der Sprachmelodie des Patienten, die häufig von Außenstehenden als Akzent einer Fremdsprache interpretiert wird. Bisher wurde diese Erkrankung mit Schlaganfall- und Schädel-Hirn-Trauma-Patienten in Verbindung gebracht. Colwills Migräneattacken waren jedoch in der Vergangenheit so heftig, dass sie auch unter schlaganfallähnlichen Lähmungserscheinungen litt. Zudem hatte sie vor ihrer Erkrankung mehrere Attacken hintereinander, die ihren Höhepunkt mit der Einlieferung ins Krankenhaus erreichten. Es wird daher vermutet, dass durch den Anfall eine Schädigung des Sprachzentrums oder für die Sprache notwendiger motorischer Zentren ausgelöst wurde. Der Verlust des gewohnten Sprachmusters und die Reaktionen des persönlichen Umfelds empfindet die IT-Managerin als Belastung. Inzwischen befindet sie sich in sprachtherapeutischer Behandlung.
Weltweit sind nur ca. 60 Fälle des Syndroms dokumentiert. Erstmals tauchte 1941 in Norwegen ein Fall des Fremdsprachen-Akzent-Syndroms in der Fachliteratur auf. Astrid L. wurde bei einem deutschen Bombenangriff durch einen Granatsplitter schwer am Kopf verletzt. Nach der Rehabilitation, die mehrere Monate dauerte, sprach sie mit vermeintlich deutschem Akzent.
Die Frau wurde damals der Spionage verdächtigt.
http://www.kopfschmerzen.de – (letzte Aktualisierung: 05.08.2010)