Ein internationales Forscherteam konnte einen Risikofaktor in der menschlichen Erbanlage identifizieren, der mit einer erhöhten Neigung zu einer häufigen Form der Migräne in Zusammenhang zu bringen ist. Bisher waren genetische Risikofaktoren nur für besonders schwere und vereinzelt auftretende Migräneformen bekannt.
Bei der aufwändigen Studie, die auf Befragungen, Analyse und Vergleich der genetischen Daten von mehr als 50.000 Menschen aus Finnland, Deutschland, den Niederlanden, Dänemark und Island beruht, wurde eine bestimmte genetische Variante gehäuft bei Migränepatienten gefunden. Das betreffende Gen erhöht die Wahrscheinlichkeit unter Migräneattacken zu leiden um etwa ein Fünftel.
Das Risiko-Gen ist höchstwahrscheinlich an der Glutamatregulierung beteiligt. Glutamat, auch als Geschmacksverstärker in Lebensmitteln bekannt, spielt im menschlichen Organismus als Nervenbotenstoff eine Rolle bei der Weiterleitung von Signalen im Gehirn. Ursächlich für das Entstehen von Migräneattacken könnte ein Glutamat-Überschuss an den Nervenkreuzungen sein. Normalerweise wird dieser Überschuss durch das identifizierte Gen abgebaut. Bei der Genversion, die gehäuft bei Migränepatienten auftritt, ist diese Funktion möglicherweise gestört.
Das Aufspüren des Gens ist eine gute Neuigkeit für Patienten, da es neue therapeutische Perspektiven eröffnet. Da es sich jedoch um eine Entdeckung der Grundlagenforschung handelt, wird die mögliche Entwicklung eines Medikamentes z.B. zur Vermeidung der Ansammlung des Glutamats noch einige Zeit benötigen.
Quelle:
Antilla, V et al. (2010) Genome-wide association study of migraine implicates a common susceptibility variant on 8q22.1 Nature Genetics
http://www.kopfschmerzen.de – (letzte Aktualisierung: 03.11.2010)