Kopfschmerz ist kein Phänomen der Neuzeit. Kopfschmerzen haben auch das Leben unserer "Altvorderen" erschwert.

Zu Zeiten der Sumerer, der Babylonier und der Assyrer nahm man an, dass der Kopfschmerz das Werk böser Geister war. Anhand von Schädelfunden konnte man mittlerweise nachweisen, dass die damaligen Ärzte der Annahme unterlagen, dass man die bösen Geister aus dem Kopf entlassen müsse, um eine Linderung der Beschwerden zu erzielen. An den Schädeln fanden sich Spuren einer sogenannten "Trepanationsbehandlung" - dabei wird ein Loch in die knöchernen Bestandteile des Kopfes gebohrt, durch den eben diese bösen Geister dann entweichen konnten. Es ist vielleicht eine Ironie der Geschichte, dass in jüngster Vergangenheit tatsächlich gasförmige Neurotransmitter (Botenstoffe) im Gehirn gefunden wurden - das Stickstoffmonoxid beispielsweise. Es gibt also tatsächlich gasförmige Stoffe in unseren Köpfen, die bei Kopfschmerzen eine Rolle spielen. Dennoch ist die Trepanation natürlich keine empfehlenswerte Methode.
Neben der Methode der "Schädeltrepanation" war man auch weiterhin
bemüht, die bösen Geister durch Beschwörungen,
Anrufung höherer Götter oder auch durch Einreibungen mit ziemlich
unangenehm riechenden Substanzen (Kräuteressenzen unter Zugabe von Teilen
verwester Tiere, z.B. Kröten) zu vertreiben.
Es gab also seinerzeit eine unübersichtliche Anzahl von
therapeutischen Vorschlägen, die sich in ihrer Wirksamkeit an der
Überzeugungskraft der anwendenden Ärzte und Heiler messen ließen.
Erst mit dem Beginn des 13. Jahrhunderts kamen nachweislich Anwendungen von Schmerzmitteln vor. Italienische Mönche empfahlen, mit Essig und Opium getränkte Tücher auf die Köpfe der Schmerzpatienten zu legen. Und die Inka-Stämme in Amerika sollen sich die schmerzlindernden Eigenschaften von Kokain zu Nutze gemacht haben, indem man den Koka-Saft in einen offenen Schnitt einträufelte, den man direkt in die Kopfhaut des Leidenden geschnitten hatte.

Die seit dem 1. Jh. n.Chr. schon bekannte besondere Kopfschmerzform der
Migräne erhielt erst sehr viel später, nämlich im 17. Jahrhundert, durch den
leitenden Kliniker Thomas WILLIS mit der ersten "vasculären Hypothese" einen wissenschaftlich modernen
Erklärungsversuch.
Er stellte die Behauptung auf, dass die Migräne durch eine Gefäßschwellung
verursacht wurde. Aderlässe wurden beispielsweise als eine probate Methode empfohlen,
auch um "Giftstoffe" aus dem Körper zu entfernen.
Im 19. Jahrhundert überwogen die pharmakologischen Aspekte einer
Kopfschmerzbehandlung. Aus dem Mutterkorn gewann man Alkaloide (allerdings
in noch ziemlich unreiner Form), aus denen später die Ergotamine
hervorgegangen sind.
Bei der Migräne empfahl man erstmals die Vermeidung von Auslöse-Faktoren.
Die Analyse und Behandlung von eventuell zugrunde liegenden
Krankheiten wurde begonnen. Zu dieser Zeit gab es bereits die "neurogene"
Theorie, bei der durch Nervenentzündungen bedingte Gefäßveränderungen im
Anfall vermutetet werden. Hier teilte sich das Lager der ärztlichen
Meinungen jedoch.
Im 20. Jahrhundert tauchten dann weitere Hypothesen zur Kopfschmerzbehandlung auf.
Bis heute kann man die Abläufe bei Kopfschmerzen als nicht
hinreichend erklärt bezeichnen.
Hippokrates bemerkte, dass Kopfschmerzen durch giftige Dämpfe, die im Körper zirkulieren, hervorgerufen werden. Als Behandlung empfahl er das Aufbringen heilender Kräuter auf den Kopf.
Der römische Arzt Galen beschreibt und benennt einen einseitigen Kopfschmerz mit den Charakteristiken der Migräne. Sein Begriff "Hemikranie" ("halbköpfig") entwickelte sich dann sicherlich zu dem Wort "Migräne". Die Behandlung mit "Leberpillen" wurde populär und hielt sich bis in das 20. Jahrhundert.
Der englische Arzt Thomas Willis vermutete, dass der Migräne-Kopfschmerz durch eine Schwellung der Blutgefäße hervorgerufen wird - eine erstaunlich exakte Theorie, die jedoch erst um 1940 von Dr. Harold Wolff bestätigt werden konnte.
Ergotaminextrakte - gewonnen aus schimmligem Brot - wurden zur Behandlung von Kopfschmerzen seit dem späten 19. Jahrhundert eingesetzt. 1918 wurden sie synthetisiert als Ergotamintartrat, das initial zur Blutungskontrolle nach Entbindungen eingesetzt wurde. Im 20. Jahrhundert avancierte Ergotamin dann zum Migränepräparat.
In den 50er Jahren wurde die wahre Natur der Migräne aufgedeckt. Insbesondere die Rolle des Neurotransmitters Serotonin konnte identifiziert werden. Methysergid wurde als Wirkstoff entwickelt, der einen ziemlich einfachen Einfluss auf das Serotonin-System im Gehirn nahm. Ein Wandel begann: Die Migräne wurde als wirkliche Krankheit denn als psychosomatische Störung verstanden. Man trennte klar von anderen Kopfschmerzformen ab.
Als die Serotonin-Forschung vorankam, dachte man, dass mehr als sechs
Neurotransmitter bei der Entwicklung eines Migräneanfalles beteiligt
seien. Daraus resultierte die Entwicklung von Wirkstoffkombinationen, die
aus bis zu 6 Einzelsubstanzen bestanden.
Kopfschmerz vom Spannungstyp galt weiterhin als einfach hinzunehmende
Gesundheitsstörung, die in den Bereich der Selbstmedikation gehört.
Nach der "Übermedikation" der 60er Jahre legte man in den 70er Jahren Wert auf einen "ganzheitlichen Ansatz" im Sinne von Stressreduktion, Entspannung, Meditation, Yoga, Kräuterbehandlungen, Akupunktur, Biofeedback etc.
Wissenschaftler identifizieren ein System von Neurotransmittern und Serotonin-Rezeptoren und beschreiben einen spezifischen Rezeptor als primären Zielort für Migräneprozesse. Diese bedeutende Entdeckung führt in den späteren 90er Jahren zur Entwicklung des Sumatriptans als dem ersten Agonisten und zu einer Revolutionierung der Behandlung von Migräneanfällen. Erstmals wird auch eine differentialdiagnostisch wertvolle, unterschiedliche Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne etabliert. Man lernt, dass bei beiden Störungen offensichtlich unterschiedliche Pathomechanismen zugrunde liegen.
Nachdem klar wurde, dass man noch sehr lange brauchen würde, um pathophysiologische Prozesse bei Kopfschmerzen und Migräne zu erkennen, wurde durch ein internationales Expertenforum eine neue Diagnosestrategie entwickelt und publiziert. Hier reduziert man die Diagnose auf phänomenologische Aspekte - das heißt, eine bestimmte Konstellation von Symptomen wird für eine Diagnose als notwendig definiert. Erstmals gibt es damit ein international einheitliches Bewertungsinstrument für die verschiedenen Kopfschmerzformen.
Durch klinische Studien in den USA zur Wirkstoffkombination Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Koffein wurde die Überlegenheit dieser fixen Kombination gegenüber einer Monotherapie nachgewiesen. Dies betraf insbesondere die Parameter Wirkungseintritt, Wirkungszuverlässigkeit und Nebenwirkungspotential.
http://www.kopfschmerzen.de – (letzte Aktualisierung: 23.07.2008)