Hey liebe Leidensgenossen,
es ist schön nicht alleine zu sein, obwohl ich es ehrlich gesagt niemanden gönne an diesen Höllenqualen zu leiden.
Nun zu meiner Geschichte:
Ich bin vor kurzem 20 Jahre alt geworden und leide seit nun mehr als 10 jahren an regelmäßigen Kopfschmerzen. In schlimmen Phasen bekomme ich die Attacken 2-3 mal die Woche, in besseren Zeiten 1-2 mal die Woche. Wie sich eine schmerzfreie Zeit anfühlt habe ich leider vergessen, genauso wie das Empfinden von jeglichen positiven Gefühlen. Es zieht einen einfach runter.
Anfangs ging ich noch von Arzt zu Arzt, von Klinik zu Klinik, weil es einfach nicht zum aushalten war/ist.
Ich habe mich sogar 4 Wochen lang nach TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) behandeln lassen, alles ohne Erfolg.
EEG, CT, MRT, Physiotherapie, Homöopathie, ich weis nicht was noch alles.. doch letztendlich konnte mir niemand wirklich helfen.
Jahrelang habe ich gelebt wie mir es von Ärzten geraten wurde. Das heißt regelmäßiger Schlaf, sehr gesunde Ernährung, viel Sport, wenig Fernsehen und was noch alles dazugehört. Doch statt besser, wurde es nur schlimmer.
Ab dann entschied ich mich auf weitere Behandlungen zu verzichten. Mich konnte in der Hinsicht niemand zu Hause verstehen, aber ich wollte einfach nicht mehr. Das waren damals 5 Jahre in denen ich alle paar Tage bei einem Arzt war. Ich musste das aufgeben, was mir im Leben das Wichtigste war, den Sport mit meinen Freunden. Zudem musste ich die Schule wechseln, weil ich mir eine zweite Fremdsprache damals nicht zumuten konnte. Also musst ich auch, was die berufliche Karriere angeht, meine Träume aufgeben. Das war dann der Tiefpunkt meines Lebens. In der Grundschule hätte ich noch die Wahl gehabt eine Klasse zu überspringen und nun musste ich die Schule wechseln.
Etwas hat sich dann doch mit der Zeit verbessert, wenn man das verbessert nennen kann. Früher musste ich bei jedem Anfall erbrechen, ausschließlich. Mittlerweile habe ich das Problem nicht mehr so sehr, doch schlecht ist mir noch wie vor. Vom vielen Erbrechen, habe ich inzwischen auch eine gereizte Speiseröhre und Magenprobleme, was die ganze Situation nicht angenehmer macht.
Auf jeden Fall bekam ich dann, nachdem ich im Alter von ca. 13-14 schon so gut wie alle gängigen Schmerzmittel ausprobiert hatte, das Medikament, was meinem trostlosen Leben wieder einen Sinn gegeben hat: Naramig
Seitdem nehme ich eben dieses Naramig bei starken Anfällen und wenn ich Glück habe (ca. 60%) sind die Kopfschmerzen nach 1-2 Stunden Ruhe vollständig weg und ich kann wieder meinem Leben nachgehen. Wenn ich Pech habe liege ich eben 1-2 Tage komplett flach. Arbeiten oder Lernen unmöglich! Starkes Licht und Geräusche wie Straßenlärm oder so, sind für mich in der Zeit unerträglich.
Naja das hört sich jetzt nicht schön an, aber das Schlimmste für mich ist folgendes:
Ich bin ein Kämpfer-Typ und sehe immer einen Sinn im Leben und einen Grund weiterzumachen und ich würde auch jedem raten, egal wie schlimm es auch sein mag und egal wie hoffnungslos die Lage zu sein scheint, das Leben zu sehen als das was es ist: Ein Geschenk. Von wem oder was auch immer.
Aber der Punkt ist der, dass man einfach nicht (mehr) Ernst genommen wird. Ich fehlte natürlich ziemlich oft in der Schule, meistens einen Tag in der Woche, mal mehr mal weniger. Man muss sich Sachen anhören von Mitschülern, Lehrern und sogar von der eigenen Familie, mann sei selbst Schuld und Kopfschmerzen sind kein Grund um so oft zu fehlen, ich solle mich mal zusammenreißen oder meinen Hintern hochkriegen usw.. das zieht einen doch ziemlich runter und macht einen auch etwas nachdenklich, ob man wirklich alles richtig gemacht, bzw. versucht hat. Naja ich nehme mir das meiste Gelaber nicht sehr zu Herzen, ich bin Realist und weis wie grausam die Welt ist und da sind solche Probleme eigentlich nicht einmal erwähnenswert. Ich habe zwar einige Freunde dich mich voll verstehen, aber es ist natürlich nicht schön, wenn ich abgesprochene Termine nicht einhalten kann und wieder mal absagen muss. Bei mir ist es auch meistens so, dass ich mich nach einer Attacke einen Tag richtig müde fühle, als hätte ich nicht geschlafen. Dann habe ich auch keine große Lust raus zu gehen oder bissl Sport zu machen. Das zieht die Stimmung dann natürlich wieder tief in den Keller. Es ist auch schwer eine Freundin zu finden, die Verständnis dafür hat, dass man nicht länger als ein paar Stunden vorausplanen kann, weil nie ganz sicher ist, ob ich vor die Tür kann oder nicht. Und wer will schon gerne die Krankenschwester spielen? 
Dadurch wird man leider mit der Zeit ziemlich emotionslos und Gefühlskalt, obwohl ich eigentlich ein Mensch bin, der gerne Zuneigung verspürt und genauso gerne weitergibt.
Aber es gibt auch positives zu berichten, wenn auch nicht allzu viel.
Inzwischen habe ich über den zweiten Weg mein Abi gemacht und werde im Herbst hoffentlich anfangen können zu studieren.
Seit Sommer 2010 nehme ich nun eine Auszeit, bis auf ein paar Wochen in denen ich bissl Geld verdient habe, da die Zeit davor sehr stressig für mich war und hoffe nun in der Zeit Kraft zu tanken, um mich dann auf das Studium stürzen zu können.
Wer es geschaft hat, den Roman bis zum Ende zu lesen, Respekt und Dankeschön. Es ist nicht selbstverständlich am Leid eines anderen teilzuhaben, gerade wenn man selbst stark betroffen ist.
Ich wünsche hier allen gute Besserung und vorallem Kopf hoch!
Lieben Gruß
PS: Wer sich einfach ein bisschen austauschen will, kann sich gerne melden.
Speziell an Lara:
Sei doch froh, dass du so eine intakte Familie hast, die werden sicher froh sein, wenn sie dich etwas unterstützen oder helfen können.
Spreche dich einfach aus und erzähle ihnen von deinen Problemen und deinen Ängsten.
Deine Familie in Kombination mit einem guten Arzt werden dich hoffentlich wieder ein bisschen aufbauen können.
Egal wie schmerzhaft und schrecklich das Leben sein mag, überlege doch einfach mal was für ein Zufall es ist, das wir die Chance haben, überhaupt so ein Leben zu führen, mit all seinen Facetten.
Das ist es echt nicht wert, das einfach wegzuwerfen. Vielleicht gibt es ja schon in wenigen paar Jahren ein paar zuverlässige medizinische Behandlungen, die bei uns anschlagen und uns zu einem besseren Leben verhelfen.