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Migräne mit Aura (Sehstörung); Sehstörung belastet mich am meisten

Hallo,

seit 17 Jahren leide ich unter Migräne mit Aura (Sehstörung). D. h. bevor die Kopfschmerzen anfangen, habe ich 30 bis 90 min lang eine Sehstörung. In den letzten Jahren hat sich diese Migräne weiterentwickelt zu einer Migräne mit Aura und oftmals OHNE Kopfschmerzen bzw. nur wenig Kopfschmerzen. Früher hatte ich dann für ca. 6 Stunden heftige Kopfschmerzen und mir war übel. Nun keine oder kaum Kopfschmerzen, keine Übelkeit aber extreme Abgeschlagenheit.

Solche Attacken habe ich auch nicht oft, sondern nur so 2 - 3 mal im Jahr und zwar immer einmal im Frühjar (Februar/März) und einmal im Herbst (September/Oktober). Ab und zu auch zwischendurch.

Am meisten belastet mich allerdings die Sehstörung. Die Schmerzen könnte ich gut mit Tabletten behandeln und auf ein erträgliches Maß reduzieren. Bloß die Sehstörung in der Auraphase haut einen von jetzt auf gleich aus der Bahn. Das ist auch ziemlich gefährlich, wenn ich z. b. Auto fahre und nicht merke, dass ich gar nicht mehr alles sehe! Ich fühle mich auch irgendwie abwesend, auch das Zeitgefühl ist viel schneller, die Minuten vergehen wie im Flug.

Jetzt habe ich gelesen, dass man gegen die Aura nichts machen kann, oder vllt doch? Weil es kein Medikament gäbe, dass so schnell wirken würde. Schließlich ist sie ja auch nach 30 min vorbei. In meinem Fall dauert es allerdings bis zu 90 min.

Trotzdem habe ich tierische Angst vor der Sehstörung und denke erst an einen Schlaganfall bzw. mache mir die ganze Zeit Sorgen, ob alles wieder so wird wie vorher. Ich bin richtig in Panik.

Was kann ich gegen die Aura machen? Oder kann man etwas prophylaktisch tun, dass eine Migräne gar nicht erst entsteht? Dann hätte ich ja auch nicht die Aura. Ich frage mich dann auch immer, ob die Migräne normal verläuft oder es Komplikationen gibt und ich nicht besser ins Krankenhaus müsste?

Mein Hausarzt hat absolut keine Ahnung. Der sagte zu mir, ich sollte Trioptane nehmen, dann ginge auch die Sehstörung weg. Nun habe ich gelesen, wenn man das Triptan zu früh nimmt, könnte sich sogar die Sehstörung verschlechtern. Habe eine Anweisung an Ärzte gefunden, wo dringend davon abgeraten wurde, das Triptan zu früh zu nehmen, man kann dadurch einen Schlaganfall provozieren.

Ich hatte einmal ein Triptan genommen und die Aura dauerte länger und mir ging es danach noch schlechter. Stärkere Kopfschmerzen mehr Übelkeit.

Vllt hat jemand hier im Forum einen Tipp? Wie kann ich die Aura verhindern, was kann man machen, damit die Aura möglichst schnell weggeht? Bei welchem Ereignis wäre es sinnvoller ins Krankenhaus zu gehen bzw. einen Notarzt zu holen, weil sich ein Schlaganfall dahinter versteckt?

Kommentare

  • Hallo Sven,

    ich glaube es wäre am besten, wenn Du zu einem guten Migräne-Spezialisten gehen würdest. Gerade wenn es um die Abklärung zwischen Migräne und Schlaganfall-Symptomen geht, können wir hier das nicht aus der Ferne.
    Auf der Website der Deutschen Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft oder auf der Seite der Schmerzklinik Kiel findest Du Kopfschmerzspezialisten. Manchmal dauert es aber sehr lange dort einen Termin zu bekommen.

    Im Netz habe ich noch folgende Aussagen gefunden: "Ein wichtiger Unterschied zu einer Gefühlsstörung oder Lähmung bei Schlaganfällen ist, dass diese Symptome bei Migräne sich langsam aus- und wieder zurück bilden, während sie beim Schlaganfall i. R. schlagartig auftreten. " (Uniklinik Hamburg-Eppendorf). Soweit ich mich erinnere habe ich auch mal gelesen, dass bei Migräne oft eher Sehstörungen auftreten, bei Schlaganfall eher Ausfälle, wie Lähmungen oder Taubheit.

    Wenn Du bisher immer die gleichen Aura-Symptome hattest und diese immer wieder verschwunden sind und es sich beim nächsten Mal genau gleich anfühlt, würde ich persönlich sagen, dass das dann diesmal auch für eine Aura spricht. Vorsichtig wäre ich vor allem, wenn sich die Symptome ändern.

    Aber wie gesagt, dass solltest Du mit einem Kopfschmerzspezialisten, am besten einem Neurologen abklären!

    Prophylaktisch kann man einiges gegen die Migräne tun. Je weniger Migräne Du hast, desto weniger wird Dir ja auch die Aura zu schaffen machen. Am besten schaust Du mal in den Leitlinien der Therapie der Migräne nach. Die findest Du auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Allerdings wird eine medikamentöse Prophylaxe meistens erst ab ca. 6 Anfällen im Monat empfohlen. Wenn Dich Deine Anfälle aber so sehr belasten, würde ich auch das mit einem Spezialisten besprechen.

    Es gibt auch weniger "harte" Prophylaxe-Maßnahmen, wie Magnesium und Vitamin B2, Entspannungstechniken wie Progressive Muskelentspannung nach Jacobson.
    Hast Du denn schon Prophylaxen ausprobiert bisher?

    Es ist richtig, dass im Moment die Ärzte dazu raten, Triptane erst nach Abklingen der Aura einzunehmen. Evtl. könnte es Dir helfen während der Aura ein Schmerzmittel einzunehmen. Bei manchen Menschen sind Schmerzmittel auch gegen Migräne wirksam. In der Leitlinie gibt es auch eine Empfehlung, such mal unter "Analgetika und nicht steroidale Antirheumatika (NSAR)".

    Leider sind Migräne-Auren nicht wirklich mein Spezialgebiet - vielleicht würde es sich anbieten mal zu schauen, ob es in Deiner Gegend eine Selbsthilfegruppe gibt, in der auch Betroffene mit Aura sind. Selbsthilfegruppen findet man bei der Migräneliga e.V.

    Viele Grüße,
    Fran
  • Hallo Fran, vielen Dank für deine Antwort :-)

    Dann werd ich mal deine Links durchklicken :-)

    Die größte Belastung liegt bei mir wohl in der Psyche. Bei 2 bis 3 mal im Jahr ist die Migräne an sich eigentlich unwesentlich, wenn ich das im Vergleich zu den anderen Leuten hier sehe. Ich hab ja meistens nicht mal Kopfschmerzen danach. Ich bin dann an dem Tag nur ziemlich abgeschlagen. Am nächsten Tag ist dann alles ok.

    Nur muss ich fast jeden Tag daran denken. Blöderweise habe ich im Auge auch noch eine "fliegende Mücke", d. h. in der Flüssigkeit im Auge schwimmt was herum. Das ist an sich total unbedenklich (Auskunft Augenarzt). Was da herumschwimmt ist durchsichtig und verzerrt den Lichtfall an der Stelle. Wenn ich das wahrnehme, sieht es im ersten Moment aus wie eine beginnende Aura. Dann ist man erstmal geschockt, paar sekunden später weiß ich aber, dass es eben keine Aura ist. Aber die anfängliche Erscheinung ist genau identisch, deswegen schockt das immer ziemlich.

    Magnesium und Entspannungstechniken hören sich gut an, habe ich noch nicht ausprobiert :-)

    Soweit ich weiß, ist die Aura auch noch gar nicht so genau erforscht. Man weiß gar nicht, was da genau im Gehirn abläuft. Die einen reden von einer Durchblutungsstörung die anderen von einer "elektromagnetischen welle", die durch das entsprechende Gehirnareal wandert. Je nachdem, wo sie gerade ist, hat man dann dort im Sichtfeld die Sehstörung.
  • Hallo Sven,

    ja, leider ist das alles noch nicht 100% erforscht. Was heute gilt, kann morgen schon überholt sein ;)

    Das mit der Psyche kenne ich sehr gut. Ich hatte eine Phase, in der ich mich total fertig gemacht habe, weil ich alles was ich aß und tat darauf überprüft habe, ob es nicht doch vielleicht ein Migräneauslöser sein könnte. Und wenn die Migräne dann kommt, fragt man sich, was man falsch gemacht hat. Ich versuche mir jetzt zu sagen, dass ich nicht alles im Griff haben kann und versuche mich nicht mehr so sehr verrückt zu machen.

    Achtsamkeitstraining (Mindfulness based stress reduction - MBSR) ist auch ganz gut dagegen und wird (oder wurde) auch im Hinblick auf die Wirksamkeit gegen Migräne (und andere Krankheiten) erforscht. Die Uniklinik Freiburg war das, ich habe allerdings noch nichts von den Ergebnissen gehört.

    Im Achtsamkeitstraining soll man lernen, mit sich und den Umständen und eben auch Schmerzen oder anderen Krankheiten achtsam umzugehen. Man lernt sie anzunehmen und nicht negativ zu bewerten und deswegen weniger unter Dingen zu leiden, die man nicht ändern kann.

    Im Internet gibt es auch kostenlose Kurse (teilweise auf englisch).

    Viele Grüße,
    Fran
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