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Badekappengefühl seitr mehreren Jahren

Hallo zusammen,

da ich mir keinen Rat mehr weiß, wende ich mich heute an euch.

Mein Problem ist folgendes - allerdings ist es schwer zu beschreiben, so dass ein Außenstehender das schwer nachvollziehen kann. Seit etwa 8 Jahren habe ich so eine Art "Badekappengefühl", vielleicht kann man es auch Spannungsgefühl bezeichnen. Auf keinen Fall ist es ein "innerer" Kopfschmerz. Diese Spannung besteht immer, nachts weniger und auch in Ruhephasen weniger. Die Spannung steigt bei Stress, vor allem dann, wenn vieles auf mich einströmt. Auch dann, wenn mehrere Menschen "auf mich einreden". Diese Spannung ist hauptsächlich im Stirnbereich und hinter den Ohren. Dieses Ziehen auf der Stirn ist insbesondere über den Augen, also in Höhe Augenbrauen, ich habe auch das Gefühl, dass mir Lider "herunter fallen" und sich alles verkrampft.

Vom Allgemeinarzt bis Neurologen und auch Augenarzt habe ich alles abklären lassen, auch ein MRT wurde gemacht. Gefunden wurde bisher nichts. Im Sommer 2015 habe ich den Job gewechselt, auch weil mein alter Job sehr stressig gewesen ist. Aber der neue "ruhigere" Job bringt auch keine Besserung. Vielleicht wäre noch zu erwähnen, dass ich einen Job mache, an dem ich fast ständig am PC arbeite (Lohnbuchhalter).

Es sind keine richtigen Schmerzen, die ich verspüre, nur ein manchmal sehr extremer Druck oder eben ein Spannungsgefühl.

Hat jemand ähnliche Symptome und besser noch, Ratschläge oder Tipss a) was das sein könnte und b) was man dagegen tun kann?

Im Voraus besten Dank und viele Grüße

Anomar

Kommentare

  • Ich weiß der Eintrag ist schon etwas älter aber falls jemand einen Rat weiß wäre ich dankbar denn ich leide unter ähnlichen Symptomen.

    Danke!

  • bearbeitet Juli 2020

    Hallo zusammen,

    ich bin durch Google auf diesen älteren Beitrag gestoßen und möchte dazu, trotz des Alters, etwas schreiben.

    Die Symptome, die der Beitragersteller schildert, sind bei mir auch vorhanden. Es ist das selbe Badekappengefühl, wie er es nennt, und die Spannung um die Augen, besonders in der Stirngegened strahlt mittlerweile in Richtung Hinterkopf. Es fällt mir zunehmend schwerer, äußere Eindrücke zu verarbeiten, Gesprächen zu folgen, oder gar Konzentration über einen Zeitraum von über 1 Minute aufzubringen. Hinzu kommt noch das mir extrem schwindelig ist und das ich das Sehen als sehr anstrengend empfinde und mein Sichtfeld eingeschränkter ist. Wenn ich z.b. beim Tippen auf der Tastatur auf den Monitor schaue, dann kommen mir meine Hände, die ich nur im Augenwinkel sehe, sehr fremd vor, als gehörten sie nicht zu mir. Klingt total komisch, aber genau so fühlt es sich an, mit Dingen die sich im Augenwinkel befinden. Das Ganze belastet einen sehr und schlägt immer mehr auf die Psyche. Es ist ein sehr unangenehmer, unsicherer Zustand, der immer dauerhaft anhält. Jedoch war es in den letzten Jahren so, dass es immer spürbar war, wenn es schlimmer wurde, wenn es quasi ein neues "Level" gibt, was dann aber wiederum konstant ist, bis zum nächsten "Lebel-Up"

    Seit dem letzten "Level-Up", vor einigen Wochen, ist der Schwindel stärker geworden. Ich esse z.B. gerne Brotchips, vielleicht kennt sie jemand, sie sind sehr knisprig. Wenn ich darauf kaue, hab ich das gefühl ich drehe mich im Kreis. Der Schwindel wird durch die Erschütterung des Kiefers sehr verstärkt, so fühlt es sich zumindest an.

    Nun kommen wir mal zu dem, was ich alles versucht habe. Ich sage gleich dazu, ich bin von allen Ärzten die mir in den letzten 6 Jahren begegnet sind, extrem enttäuscht. Bei keinem hatte ich das Gefühl, das da ein Bemühter Arzt ist, der über den Tellerrand schaut und einem aufrichtig helfen möchte.

    Folgendes habe ich in der Zeit mit viel Anstrengung, viel Terminwarterei und viel Eigeninitiative abchecken lassen:

    • Verdacht auf Verkalkung der Halsschlagader - negativ (Ultraschall Arteria carotis)
    • Verdacht auf Hirntumor, bzw. Pseudotumor Celebri - negativ (MRT Schädel)
    • Untersuchung des Hirn/-Nervenwassers durch Spinalpunktion - alles OK (darauf gehe ich aber unten nochmal ein)
    • Messen der Nervenbahnen durch Stromschlagtherapie (habe leider den Namen vergessen) - alles OK
    • Untersuchung beim Augenarzt - alles OK, leichte Sehschwäche links
    • Untersuchung HNO mit Schwindeltest - alles OK
    • Langzeit EKG/Blutdruck - alles OK
    • Großes Blutbild, Gesundheitscheck, alles OK


    Nachdem ich meinen Hausarzt weiter genervt habe, hat dieser mich noch an einen Orthopäden verwiesen. Dort dann der erste Lichtblick und die erste Diagnose nach einem Rötgen der Halswirbelsäule:

    • Fehlstellung der Halswirbelssäule, wahrscheinlich eine Berufskrankheit (ich bin Informatiker und sitze viel am Computer, seit mittlerweile über 20 Jahren)
    • Anschließend noch ein MRT der Halswirbelsäule mit dem Ergebnis das es noch keine irreparablen Schäden geben würde und der Orthopäde ist der Meinung das all meine Symptome von der Halswirbelsäule kommen können.


    Daraufhin wurde mir Rehasport verordnet und zusätzlich habe ich noch Training in einem medizinsischen Sportstudio angefangen um die Rücken- und Nackenmuskulatur zu stärken. Das war kurz vor der Corona-Krise. Nach 4 Wochen Training war also alles erst mal wieder vorbei. Inzwischen ist das Training wieder, allerdings bessert sich einfach nichts, ich drehe wirklich langsam durch.


    Was ich noch erwähnenswert finde, ist die Sache mit der Spinalpunktion, die ich oben erwähnt habe. Ich hatte 2008 schon mal eine, da hatte ich eine Facialisparese (Gesichtslähmung). Da wurde die Spinalpunktion 3 mal durchgeführt, es war sehr schmerzhaft und hat erst beim 3. Mal funktioniert. 2018 war das MRT vom Schädel und da wurde das Nervenwasser ja auch wieder untersucht. Diesmal haben sich 4 verschiedene Ärztinnen/Ärzte an mir ausgetobt und man hat mich insgesamt ganze 9 mal punktiert. Das war bei 30 Grad im Krankenhaus und ich bin am Ende dabei fast kollabiert. Beim 9. Mal hat es aber dann wohl geklappt. Angeblich war das Ergebnis OK. Trotzdem habe ich Angst, das vielleicht dabei etwas beschädigt wurde.


    Sorry für den langen Text, aber das ist das erste Mal, dass ich mir das auch ein bisschen von der Seele geschrieben habe.

    Meine Frage: Gibt es Leute die noch Tipps haben, die ähnliches erlebt haben, die vielleicht geheilt sind, mich interessiert brennend, wie Leute das vielleicht geschafft haben. Dazu wünsche ich mir noch Tipps, etc.

    Vielen Dank, wenn du dir die Mühe gemacht hast, das zu lesen.

    PatPax

  • bearbeitet 20. April

    Ich habe diese Problematik seit 13 Jahren mittlerweile. Die genaue Ursache ist unklar, quasi ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. In meinem Fall eine angeborene Fehlstellung der Wirbelsäule, die Schmerzen habe ich mit viel Bewegung ausgleichen können. Bis zu dem ausschlaggebendem Ereignis im Jahre 2009 hatte ich zumindest noch keine Nackenschmerzen.

    Ich hatte mich gerade schmerzhaft von meiner Verlobten getrennt, stand also sehr unter psychischem Druck. In diesen Zeitraum fielen mehrere Termine beim Zahnarzt, wo mir sämtliche Backenzähne gezogen werden mussten. Ich hatte eine (3 Monate anhaltende) Kiefersperre und konnte nichts festes kauen.

    Etwa 2 Tage nachdem mir der letzte Zahn gezogen wurde, spürte ich eine starke Spannung von der Brust bis zum Kopf. Am Morgen danach war die Welt nicht mehr, wie ich sie kannte. Ich war wie gelähmt, jeder Muskel, der für das Kauen und schlucken, für die Wendung/Neigung des Kopfes benötigt wurde, war extrem verspannt. Ohrgeräusche, Lichtempfindlichkeit, Schwindel. Manchmal fühlte sich die Welt unecht an, keine Konzentration mehr.

    Der Druck auf den Schädel machte mich richtig mürbe. Was also macht man als erstes. Zum Zahnarzt. Zum Orthopäden. Zum Neurologen. Zum Internisten. Zum HNO. Zum.....usw. Vergebens. Psychotherapie und Psychosomatik waren plötzlich die Dinge, mit denen ich mich auf raten der Ärzte beschäftigen musste. Das Schwierige an dieser ganzen Sache ist, dass man sie nicht besonders gut beschreiben kann. Je länger der Leidensdruck, desto desolater ist auch die Erscheinung nach aussen hin. Man fühlt sich nicht nur wie ein Häufchen Elend, man sieht auch irgendwann so aus.

    Isolation. In sich gehen, Gespräche und Aktivitäten meiden. Die Suche nach einer Lösung im Internet aus Eigenantrieb ist eigentlich nie eine gute Idee. Wird es immer so bleiben? Lebensbedrohliche, unheilbare und zudem äusserst seltene Krankheit?

    Panik. Depressionen. Im Internet wird man abgefischt von Esoteriker/Innen. Es gibt ein ganzes Sammelbecken, wo sich Menschen in Ihrer Not dazu verleiten lassen, eine ganze Menge Geld auszugeben. Es versteht einen ja sonst keiner und die Schulmedizin steht plötzlich völlig unerwartet, oder fast schon ratlos vor einem Problem, dass über ein paar Wehwehchen hinausgeht und nicht mit ein paar Tabletten in den Griff zu bekommen ist. Man sieht nichts im Röntgen oder im MRT, was auf solche starken Beschwerden hinweisen würde. Blutbild wunderbar, machen sie Sport, gehen sie unter Leute, ernähren sie sich gesund. Jeder sollte machen, was ihm hilft. Aber bitte, behaltet den Überblick und seid ein wenig rational.

    Frust. Missverstandenheit. Hab alles mitgemacht. Liegt es vielleicht doch an meinem Kopf? Habe ich Dinge in der Vergangenheit nicht verkraftet? Ja. Geht es mir in stressigen Situationen nochmal 70% schlechter? Ja. Haben die Therapien etwas gebracht? Jein. Glaube ich, ganz alleine aus der Nummer rauszukommen? Jein. Ich habe irgendwann nachgegeben und nach langer Suche ein geeignetes Medikament gefunden. Damit liess zumindest der Kopfdruck etwas nach. Mittlerweile konnte ich die Dosierung auf ein minimum reduzieren.

    Einsicht. Erkenntnis. Wie schnell man im Leben auf die Wissenschaft angewiesen sein kann, löst immer noch Gänsehaut aus. Man fällt so leicht durch das Raster der "normalo" Krankheiten, zwei Arztbesuche und alles ist wieder gut, aber hier leider nicht. Ich bin leider kein Quell der guten Ratschläge. Manche Dinge helfen mal, am nächsten Tag wieder überhaupt nicht. Wichtig ist wohl, dieser übermässigen und unbewussten Muskelspannung entgegen zu wirken. Leicht gesagt. Ich bin dazu geneigt anzunehmen, dass die meisten Menschen mit diesem spezifischen Problem von Grund auf eine erhöhte Körperspannung haben, aufgrund von Problemen mit der Psyche. Alltagsstress, PTSD, Angststörungen im Allgemeinen sind sehr Vielfältig. Wie und weshalb unser Inneres zu solchen schmerzvollen und aufdringlichen Mitteln greift um uns zu warnen oder zu schützen und das dauerhaft, weiss ich auch nicht. Vielleicht hat die Natur da nicht zu Ende gedacht, oder sie zeigt uns nur unsere Verletzbarkeit auf.

    Der Schmerz greift immer am schwächsten Glied der Kette. Hatte man vielleicht vorher Probleme mit der Halswirbelsäule oder einer Kieferfehlstellung, könnte es zu einer verstärkung der Beschwerden führen. Das "Badekappen-Gefühl" resultiert aus einer Muskel(ver)spannung, ist also nichts Lebensgefährliches, auch wenn es sich sehr bedrohlich anfühlt. Man kann dem ein Stück entgegenwirken, Osteopathie/Physiotherapie haben einen kurzzeitigen positiven Effekt.

    Nach all den unerfreulichen Zeilen meinerseits (und das ist nur die Spitze des Eisbergs, wie Ihr sicher aus eigener Erfahrung wisst), würde ich gerne etwas Hoffnung versprühen. Es geht gar nicht mehr darum, eine schnelle Lösung zu finden, sondern eine dauerhafte zu erarbeiten. Man muss aktiv werden. Nicht dem negativen Sog, der nur nach unten führen KANN, nachgeben. Es geht halt nur nach vorne. Als ich vor einigen Jahren aufgehört habe, nach DER Ursache zu forschen, nach DER Antwort auf all meine Probleme zu suchen, die mir nie jemand geben wird, ist es auch zusätzlich besser geworden. Manchmal, je nach Stärke der Symptomatik, habe ich das Bedüfnis, wieder von vorne anzufangen. Es ist Menschlich, begreifen zu wollen, was einem das Leben so schwer macht. Dem zu widerstehen, ist sicher nicht einfach. Aber jeder Mensch ist individuell, wie auch die Tätigkeiten, die er unternehmen kann oder sogar sollte, um das Beste daraus zu machen. Dazu muss man Grenzen stecken. Im Sinne von eine Linie ziehen, was die eigenen Kapazitäten angeht. Steckt sie nicht zu niedrig, aber auch nicht zu hoch. Lernt, kleine Erfolge zu wertschätzen und baut darauf auf. Löst Euch von dem Gedanken, bloss funktionieren zu müssen.

    Es ist EUER Leben. Tausend Besuche beim Arzt helfen oft nicht so viel, wie ein paar Momente des Glückes und der Hoffnung. Klingt total schwubelig. Jeder weiss, dass man Glück nicht auf Knopfdruck abrufen kann. Aber man kann an gewissen Stellschrauben drehen, um die Wahrscheinlichkeiten zu beeinflussen. Was das für Euch bedeutet, keine Ahnung. Ich wäre nicht hier, wenn ich es besser wüsste.

    Falls das hier überhaupt jemand liest: Gute Besserung und nicht aufgeben.

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